WM 2018 / Reisebericht

 

 

Die deutsche Nationalmannschaft konnte zu dieser Weltmeisterschaft nicht gemeinsam anreisen. Daher kamen die Teammitglieder am Donnerstag, 27. September 2018 aus allen Richtungen individuell in Gent zusammen. Gegen 18 Uhr waren alle vollzählig am IBIS-Hotel Kathedraal eingetroffen. Hier war für die nächsten Tage das „Hauptquartier“ des Teams. Mit der Unterbringung waren alle zufrieden, auch wenn die Zimmer oftmals recht klein waren und dort das „Zusammenleben“ nur mit etwas Improvisation gelang. Für ein 3-Sterne Hotel mit ansprechendem Frühstücksbuffet, kann man nicht viel mehr verlangen.

 

Nach dem auch der letzte Check-in erfolgt war, ging es in die Stadt zu einer ersten Besichtigung und zum Abendessen. Vom Veranstalter wurde bereits im Vorfeld bekannt gegeben, dass an diesem Tag nicht für Verpflegung gesorgt sein würde. Auch sonst gab es nach der Ankunft leider nur wenige bis gar keine Informationen zum weiteren Ablauf.

 

Freitag, 28. September 2018: Nach dem Frühstück trafen sich die Teammitglieder und Anhang vor dem Hotel und waren zunächst ziemlich ratlos. Dann aber tauchte plötzlich ein Bus auf, der alle zu einem etwas außerhalb gelegenen Fahrschulgelände brachte. Hier standen die Turnierfahrzeuge und es war ein Training von 45 Minuten möglich. Gleichzeitig kam die Kunde vom Turnierplatz, dass dort noch am Tag vorher ein großes Festival stattgefunden habe und der Platz erstmal abgeräumt und gesäubert werden müsse, bevor dort überhaupt das Turniergerät aufgebaut werden könne.

 

Im weiteren Verlauf des Tages gab es dann immer wieder neue und zugleich sehr widersprüchliche Informationen, wie es denn nun weiter gehen sollte. Auch die Offiziellen der UICR hatten keine wirklichen Informationen und man merkte ihnen die zunehmende Verärgerung darüber an. Um 16 Uhr sollte dann zumindest eine Parcoursbegehung für die Teamchefs stattfinden, die schon kurze Zeit später um eine Stunde nach hinten verschoben wurde, aber auch dann noch nicht stattfinden konnte.

 

So standen mehrere Teams am Turnierplatz und schauten ziemlich ungläubig auf die Versuche der Veranstalter den Turnierplatz herzurichten. Ungeachtet dessen sollte aber in einem Festzelt gleich neben dem Turnierplatz die Eröffnungsfeier beginnen. In dem großen Zelt, ausgeleuchtet von einem in der Zeltmitte platzierten Mast mit drei Lampen, nahmen die Mannschaften also pünktlich Platz. Der UICR-Präsident und ein Mitglied des Veranstalters begrüßten mit wenigen Sätzen die Anwesenden und erklärten die Weltmeisterschaft für eröffnet. Da keine entsprechende Anlage mit Mikrofon zur Verfügung stand, ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Später erfuhren wir dann, dass die Stadt Gent dafür verantwortlich gewesen wäre, für die Beschallung zu sorgen. Ärgerlich für die Gäste wie für den Ausrichter, dass dies nicht geschehen ist…

 

Das Buffet war eröffnet und der offizielle Teil damit auch schon wieder beendet. Nach dem Essen konnten sich alle wieder auf den Weg in die Hotels begeben. Ein Shuttlebus, der vorher für alle Tage und Wege zwischen Hotel und Turnierplatz angekündigt war, stand übrigens weder an diesem, noch an den folgenden Tagen zur Verfügung. So musste für jeden Weg ein Fußmarsch von 15 bis 20 Minuten eingeplant werden.

 

Samstag, 29. September 2018: Die Wettbewerbe begannen ziemlich pünktlich mit dem Start des Teams der Gastgeber. Hier wurde schnell deutlich, dass eine gründliche Einweisung für Schiedsrichter und Offizielle wohl nicht stattgefunden hatte. So kamen doch für alle sichtbar einige Merkwürdigkeiten bei der Wertung zustande. Dies hat sich dann zwar im Laufe der zwei Turniertage gebessert und doch bleibt ein Beigeschmack. Am Ende wurde sogar eine ganze Aufgabe komplett aus der Wertung genommen, da bei dieser keine Chancengleichheit gegeben war. Eine gute Entscheidung von Jury und Veranstalter.

 

Die deutsche Nationalmannschaft war dann gleich nach den Gastgebern an der Reihe. Es zeichnete sich ziemlich schnell ab, dass es diesmal sehr schwierig sein würde, die letzten Erfolge zu wiederholen. Nach dem Wertungslauf musste jeder Teilnehmer noch die theoretische Prüfung absolvieren und damit war die Weltmeisterschaft 2018 beendet. Weitere Prüfungen (z.B. Abfahrtskontrolle), wie man es von vergangenen Weltmeisterschaften gewohnt war, fanden nicht statt. Da diese Zusatzaufgaben ohnehin nicht sonderlich beliebt sind, waren die Teilnehmer aber auch nicht besonders traurig darüber.

 

Nach dem obligatorischen Fototermin für alle, war Freizeit angesagt. Diese wurde dann auf unterschiedliche Art und Weise genutzt. Der Veranstalter hatte sich etwas einfallen lassen. Es gab für die Gäste kein Programm in Form von Stadtbesichtigung oder ähnlichem. Stattdessen bekam jeder eine Gästekarte der Stadt Gent. Hiermit konnte man unter anderem die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos benutzen und hatte freien Eintritt bei Besichtigungen. Eine Idee, die ebenfalls sehr viel positive Resonanz hervorgerufen hatte.

 

Sonntag, 30. September 2018: Am Vormittag unternahm fast die komplette Mannschaft samt Begleitung eine Bootsfahrt und schaute sich Gent von der Flussseite an. Danach verteilten sich alle wieder nach unterschiedlichen Interessen. Ein Teil ging nochmals zum Turnierplatz, andere blieben in der Innenstadt. Die schöne Stadt Gent hat ja auch einiges zu bieten, besonders auffallend wie viele Kirchen man auf engstem Raum praktisch nebeneinander bauen kann.

 

Am Abend stand dann aber für alle nochmal der lange Fußmarsch zum Turnierplatz und zum Festzelt an, denn es folgte die Siegerehrung. Hier hatten sich die Gastgeber auf jeden Fall mächtig gesteigert. Die Tische waren eingedeckt, das Zelt war ausgeleuchtet und beheizt und auch eine Sprecheranlage war inzwischen aufgebaut worden. Nachdem die Gäste ihre Plätze eingenommen hatten, erfolgte der Einmarsch der teilnehmenden Nationen. Nach einer kurzen Begrüßung wurde das Buffet eröffnet und anschließend begann die Preisverleihung.

 

Auch das deutsche Team konnte natürlich wieder einige tolle Erfolge erreichen (alle Ergebnisse finden sich auf den weiteren Seiten dieser Homepage), die Erfolge der letzten Weltmeisterschaften allerdings – wie bereits erwähnt – nicht wiederholen. Insgesamt aber haben so manche Punkte und die damit verbundenen Platzierungen für einiges Kopfschütteln und ungläubiges Erstaunen gesorgt. Dies soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Ein kleiner Kommentar dazu findet sich am Ende dieses Berichtes.

 

Immerhin spielte in den Tagen der WM das Wetter mit. Die Wettbewerbe fanden ausschließlich bei Sonnenschein statt und so hatten alle zumindest hier die gleichen Bedingungen. Lediglich beim Training am Freitag hatte es kurzzeitig mal geregnet. Nass wurde es erst bei der Abreise.

 

Montag, 01. Oktober 2018: Nach dem Frühstück hatten es die Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft und deren Anhang dann mehr oder weniger eilig, denn der Rückweg in die Heimat stand an. Gegen 13 Uhr hatten auch die letzten Teammitglieder das Hotel verlassen und im Laufe des Nachmittags meldeten sich die Ersten schon wieder von zu Hause.

 

 

Kommentar: Sicher war diese Weltmeisterschaft gemessen an früheren Ausrichtern kein Highlight. Die Organisatoren waren offensichtlich überfordert und so manche Ankündigung wurde nicht umgesetzt (z.B. fehlende Shuttlebusse). Ob die Wertungen und die Ergebnisse den tatsächlich erbrachten Leistungen entsprechen ist spekulativ und kann nicht belegt werden. Daher erübrigen sich hier alle weiteren Diskussionen. Kritik muss ausgesprochen werden dürfen und doch kann man dem Veranstalter nicht für alles die alleinige Schuld geben. Wenn die Stadt Gent mit in der Verantwortung steht und dieser nicht nachkommt (siehe fehlende Beschallung am Eröffnungstag), kann der ausrichtende Verein wenig dafür. Auch über die Gründe warum plötzlich mehr als ein Dutzend Schiedsrichter nicht erschienen sind, kann man nur spekulieren. Fakt ist aber, dass sie fehlten und die Wettbewerbe begannen, ohne die nun wertenden Personen vernünftig einzuweisen. Das darf so einfach nicht sein und es ist für alle Seiten - Veranstalter wie Teilnehmer und auch Zuschauer - am Ende nur ärgerlich. Immerhin können künftige Veranstalter daraus lernen und es wieder besser machen, so wie es auch viele Ausrichter vorher schon getan haben.  


 

Nach der WM ist vor der WM. Also heißt es nun sich erneut zu qualifizieren und dann viel Erfolg 2020!!!

(entweder in Kroatien, oder in Uruguay – das wird demnächst entschieden)